„Um den Klimawandel zu begrenzen, brauchen wir eine Agrarwende. Der Kreis Groß-Gerau kann und will mit der Ökomodellregion Südhessen dazu beitragen. Wir haben im Kreis aber auch langjährige Projekte und neue Innovationen, die ihr Wissen und Anteil beitragen können“, sagt Nina Eisenhardt, bei ihren Besuchen des Riedstädter Vermarktungsbetriebs „Die Gemüsekiste“ für biologische Landwirtschaft und des Agrarforschungsstandorts der Justus-Liebig-Universität Gießen in Groß-Gerau.

„Die ‘Die Gemüsekiste` in Riedstadt zeigt seit fast 25 Jahren erfolgreich, dass der Verkauf von Lebensmitteln anders geht. Gegen den Trend von immer kürzeren Lieferzeiten und der Ausbeutung von Produzenten, setzt die Inhaberin Ute Zink-Iosi auf gute Kooperation mit den Erzeugern, in die Kiste kommt was der Boden und das Wetter gerade hergeben. Es ist ein nachhaltiger Ansatz zu wirtschaften. Und als Konsumentin macht es auch Spaß, biologisches saisonales Gemüse aus der Region zu beziehen. Ich selbst bekomme seit einigen Jahren mein Gemüse aus Riedstadt und freue mich jeden Samstag, wenn eine Kiste Gemüse morgens vor meiner Haustür steht.“

Der Familienbetrieb „Die Gemüsekiste“ beliefert mit 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ihren vier Lieferfahrzeugen wöchentlich ca. 1100 – 1200 Kunden in ganz Südhessen. Das Sortiment ist vielfältig und wird von unterschiedlichen Höfen bezogen. Gemüse größtenteils von der Gärtnerei Laiseacker, Obst, Säfte und Wein kommen von Familie Winkler in Brackenheim. Eier, Pilze, Honig, Brot und Backwaren, weitere Weine oder Kartoffeln aus dem Odenwald, dem Ried, der Wetterau, dem Rheingau oder der Pfalz. Wurst und Fleisch kommen überwiegend von der Bioland-Metzgerei der Hephata in Alsfeld, aber auch aus dem Odenwald.

„Auf meine Frage nach den Auswirkungen des Klimawandels auf ihren Betrieb antwortete Frau Zink-Iosi, dass die Auswirkungen deutlich spürbar sind. Bestimmtes Gemüse, das eigentlich im Sommer üblich ist, wie Spinat oder Radieschen, stand über mehrere Wochen nicht zur Verfügung. Die Kunden der Gemüsekiste hätten zum Glück Verständnis. Dieses Verständnis und die Wertschätzung der Konsumenten braucht es für eine andere Landwirtschaft. Am Ende kann der Konsument mitentscheiden, was auf dem Teller landet und was in der Tonne“, resümiert Eisenhardt ihren Besuch.

Nina Eisenhardt auf dem Testfeld von Prof. Dr. Rod Snowdon
Landtagsabgeordnete Nina Eisenhardt im Gespräch mit Prof. Snowdon im Versuchsfeld der Sorghumhirse.

Im Anschluss besuchte die Landtagsabgeordnete das Testfeld von Prof. Dr. Rod Snowdon, Pflanzenzüchter in Groß-Gerau, in Begleitung des technischen Leiters Mario Tolksdorf, sowie Doktoranten des Fachgebiets und Grünen aus der Stadtratsfraktion vor Ort.

„Zwischen den Teilnehmenden seitens der Grünen vor Ort und den Wissenschaftlern gab es eine angeregte Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft und den Nutzen von gentechnischen Verfahren wie CRISPR/Cas-System. Das Resümee der Besucherinnen und Besucher: Neueres Saatgut kann auch in der biologischen Landwirtschaft hilfreich sein, um den Landwirten verlässlichere Erträge unter veränderten klimatischen Bedingungen zu bieten. Dies haben Prof. Snowdon und sein Team in ihrer Forschung belegt“, berichtet Eisenhardt von den Gesprächen.

Die Pflanzenzüchter der JLU Gießen testen in Groß-Gerau Saatgut unter besonders stressigen Bedingungen für die Pflanzen. Im Vergleich zur anderen Versuchsstation des Teams in der Nähe von Gießen, ist die Durchschnittstemperatur im Ried um 2°C höher. Pflanzen, die hier erfolgreich wachsen, können also andernorts zum Einsatz kommen, wenn der Klimawandel auf das 2°-Ziel begrenzt wird. Die Pflanze, auf die das Team von Prof. Snowdon setzt, ist jedoch nicht der in Deutschland übliche Weizen, sondern die Sorghumhirse. Sie ist widerstandsfähiger und bringt größere Erträge. Mit der Entwicklung der perfekten Kreuzung für unsere Gefilde ist das Team schon recht weit, doch es fehlt der Markt.

„Beide Besuche heute haben mir gezeigt, dass es Lösungen für eine andere Landwirtschaft gibt. Doch auch das Denken bei uns Verbraucherinnen und Verbrauchern muss sich ändern. Wir müssen unsere Speisekarte vergrößern, sei es für die Pastinaken aus der Gemüsekiste oder die Hirse von Prof. Snowdon. Wir müssen verstehen, dass nicht alles zu jeder Zeit verfügbar sein kann. Regionales Einkaufen macht nicht nur Sinn um Kohlenstoffdioxid einzusparen, sondern auch um regionale Kooperationen zu stärken“, ist das Fazit von Nina Eisenhardt für die Besuche in ihrem Wahlkreis.

Die Gemüsekiste gibt es im Abo oder selbst zusammengestellt unter diegemuesekiste.de.

Riedstadt, 27.8.2019