Forschung

Forschung und Wissenschaft trägt Verantwortung für Gesellschaft. Forschung hat Auswirkungen auf die Gesellschaft und kann nicht losgelöst von ihren Konsequenzen betrieben werden. Damit Universitäten zur Lösung kleiner und globaler Probleme beitragen können, müssen wir Grundlagenforschung besser finanzieren.

Verantwortung und Freiheit

Forschung trägt Verantwortung und sie genießt das im Grundgesetz verbriefte Recht auf Forschungsfreiheit. Beide Werte lassen sich nur gemeinsam umsetzten, durch eine hohe Eigenverantwortung der Universitäten und durch Anreize, Forschung zur Lösung unserer Zukunftsfragen zu betreiben.

Für eine nachhaltige Forschung benötigen wir eine weitreichende Folgenabschätzungen und Risikoforschung. Wir müssen die Zusammenhänge zwischen Technik und Gesellschaft erforschen und verstehen, damit technologische Entwicklung niemanden benachteiligen, sondern zum Wohle aller sind. Deshalb ist es wichtig interdisziplinäre Forschung voranzutreiben. Hierzu können auch staatliche Auftraggeber, wie beispielsweise Ministerien, beitragen.

Forschen für Gesellschaft bedeutet auch einen Zugang der Gesellschaft zu wissenschaftlichen Informationen und Ergebnissen. Open Access und Open Data im Wissenschaftsbereich sind wichtig um Kooperationen und den Austausch zu fördern und bessere Forschungsergebnisse zu erzielen. Gerade auch für Studierende und Nachwuchswissenschaftler*innen, die häufig keine Mittel haben, um sich Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen zu verschaffen, ist ein freier Zugang zu Publikationen und Daten wichtig. Als erster Schritt muss Open Access und Open Data verpflichtend für alle aus öffentlichen Mitteln finanzierte Forschung sein. Mittelfristig braucht es eine Reformation des Urheberrechts, das die Vervielfältigung und Weitergabe von wissenschaftlichen Arbeiten vereinfacht.

Eine einfache Gleichung, die es aber in sich hat: Zivile Universitäten = zivile Forschung. Wer Konflikte friedlich lösen, Armut und Hunger weltweit bekämpfen und den Klimaschutz vorantreiben will, braucht das Know-How von Universitäten. Umsetzen lässt sich das nur durch eine Eigenverantwortung der Forschenden, da die Forschungsfreiheit berechtigterweise den Eingriff in die Freiheit der Wissenschaft untersagt. Aber auch Politik kann etwas tun: Forschungsaufträge mit einer militärischen Komponente nicht an zivile Universitäten vergeben, dafür ein politisches Klima schaffen, in dem Universitäten sich mit ihrer Verantwortung auseinander setzen. Auch hier ist eine gute Grundfinanzierung von Forschung wichtig: Forschende dürfen nicht in die Situation gebracht werden, aus finanziellen Zwängen Forschung gegen ihr Gewissen machen zu müssen.

Finanzierung und Beschäftigung

Wer Innovation möchte, muss bereit sein auch Rückschläge einzustecken. Eine zukunftsfähige Forschung braucht dafür die richtige Finanzierung. Anwendungsorientierte Forschung wird inzwischen an vielen Universitäten durch Drittmittel, also Gelder aus der Wirtschaft, bestritten. Innovative Forschung braucht aber mehr Freiräume, wie dies in der Drittmittelforschung möglich ist. Deshalb ist es Aufgabe des Staates, genug Geld für Grundlagenforschung bereitzustellen.

Die Exzellenzinitiative der Bundesregierung ist deshalb der falsche Weg. Zum einen sind 2,7 Mrd. Euro zu wenig Geld – Forschung ist eine teure Angelegenheit, aber eben auch eine langfristige Investition. Weiter führt ein staatliches Forschungsfördersystem, das auf Wettbewerb zwischen Universitäten setzt, zu einer Antragsbürokratie, die die Wissenschaftler*innen viel Zeit kostet. Außerdem kommt die Förderung letztendlich nur wenigen zugute – bei zu wenig Geld ist das ohnehin die logische Konsequenz. Wer ein innovatives Land sein möchte, kann aber nicht nur wenige Universitäten fördern, sondern muss die Breite und Vielfalt der deutschen Forschungslandschaft langfristig fit machen. Letztendlich sind die Leittragenden die Studierenden. Zum einen, weil den Dozierenden vor lauter Anträgen die Zeit zur Betreuung von Abschlussarbeiten fehlt, zum anderen, weil an den wenigen „exzellenten“ Universitäten des Landes nun mal nicht alle studieren können. Auch für eine gute Lehre ist es wichtig, alle Universitäten mit ausreichend Mitteln auszustatten.

Gute Wissenschaft braucht gute Arbeitsbedingungen auf allen Ebenen der wissenschaftlichen Karriere. Immer mehr Beschäftigte haben nur noch schlecht bezahlte und befristete Arbeitsverhältnisse. Gerade in der Lehre sind die Dozierenden meist unterbezahlt und müssen über ihren Lehrauftrag hinaus noch unbezahlte Forschungsarbeiten machen. Es braucht eine grundlegende Reform des Wissenschaftszeitgesetzes, das die Arbeitsbedingungen für wissenschaftlichen Nachwuchs besser regelt.

Bildung

Das Thema Bildung wird für mich von zwei wesentlichen Grundprinzipien geleitet: Chancengerechtigkeit und Partizipation. Das bedeutet, dass alle Kinder die Chance bekommen, den Bildungsabschluss zu machen, den sie sich wünschen. Schüler*innen und Studierende sollen Schule und Universität als Lern- und Lebensraum selbst mitgestalten können. So lässt sich auch sicherstellen, dass Wissen begeistert und nicht nur für Klausuren auswendig gelernt wird.

Diese Prinzipien lassen sich in allen Abschnitten des Bildungswegs verwirklichen.

Kindergarten und Vorschule

Damit alle Kinder die gleichen Chancen direkt am Start ihres Lebens bekommen, ist ein flächendeckendes Angebot einer ganztägigen Betreuung und der Besuch des Kindergartens durch alle Kinder unerlässlich. Außerdem ist die Förderung von Sprachkenntnissen wesentlich. Damit Kinder in Kindergarten und Vorschule gut gefördert und betreut werden können, braucht es gutes Personal – und das geht nur mit einer besseren Bezahlung.

Grundschule

In der Grundschule ist es wichtig, dass die Kinder für das Lernen begeistert werden. Das kann nur gelingen, wenn der Lernstoff ihren Interessen gerecht wird. Deshalb ist eine flexible Eingangsstufe und klassen- und fächerübergreifendes Lernen der richtige Weg. Damit alle Schüler*innen die Chance haben, unterschiedliche Wissensstände aufzuholen, ist es sinnvoll, dass die Schüler*innen länger gemeinsam lernen und statt auf Nichtversetzung auf Förderung gesetzt wird.

Schule

Neben der Schaffung der Voraussetzungen für eine gute Lernatmosphäre durch moderne Gebäude inklusive entsprechender technischer Ausstattung, ist es wichtig, dass Gleichgewicht zwischen allgemeiner Bildung und Berufsvorbereitung zu wahren. Außerdem müssen die Beteiligungsmöglichkeiten der Schüler*innenvertretung ausgebaut werden. Eine Ganztagsbetreuung schafft die nötigen Räume für individuelle Förderung und gleicht Benachteiligungen aus. Schule muss aber auch Raum lassen für außerschulisches Engagement.

Hochschule

Die Ökonomisierung der Hochschule schlägt gleich zweimal zu. Zum einen wird die Forschung abhängig von den Aufträgen Dritter, da die Grundausstattung nicht mehr reicht, um die Lehre zu finanzieren, zum anderen beeinflusst sie die Ausrichtung der Lehrinhalte. Statt Wissenschaft zu betreiben und sich für Forschung zu interessieren, werden Studierende für den Beruf ausgebildet und Möglichkeiten zur eigenen Entfaltung bleiben auf der Strecke. Die Freiheit von Forschung und Lehre darf nicht durch wirtschaftliche Interessen eingeschränkt werden. Und auch hier gilt: Stärkung der Partizipationsmöglichkeiten der studentischen und akademischen Selbstverwaltung sowie Schaffung von Chancengerechtigkeit durch ein höheres und elternunabhängiges BAföG.

Beiträge zu Bildung&Forschung